g  i  s  e l  a      h  o  f  f  m  a  n  n

l i n e a t u r e n II - installation und zeichnung

eröffnungsrede galerie foestermühle fürth 2006

 

der evolution der menschheit bedeutet die entdeckung der linie als mittel der darstellung eine grandiose errungenschaft und zwar die herausbildung der menschlichen fähigkeit zum abstrakten denken. steinzeitliche ritzbilder in felsen dokumentieren noch vor keilschrift oder hieroglyphen das grundsätzliche bedürfnis von menschen zur gedanklichen und gestalterischen auseinandersetzung mit innerer und äußerer wirklichkeit. die linie steht also für den anfang jeglichen bildens sowie den beginn menschlicher kommunikation.

seitdem steht jeder künstler am ende einer langen entwicklungskette, ein ende, das immer auch weiterentwicklung und neubeginn ermöglicht. (1)

"in der kunst des 20. jahrhunderts wurde es durch immer stärkere reduzierung schließlich möglich eine struktur, ...ein raster, ein linien- oder farbengefüge zum ausschließlichen bildthema zu erheben." laut dr. gisela fiedler-bender (2)

was kann aber heute "linie" am beginn des 21. jahrhunderts sein? welche mittel und materialien, welche technik und präsentationsmöglichkeiten sind unserer zeit adäquat oder zeitlos? welche inhalte sind es wert sie zu transportieren? dieser fragestellung spürt gisela hoffmann in ihrer elementaren welt-raum-forschung nach.

gisela hoffmann wurde 1963 in burg auf der insel fehmarn geboren. sie studierte kunstgeschichte an der universität in erlangen und anschließend freie textilkunst bei prof. stefan eusemann und und prof. hanns herpich an der akademie der bildenden künste in nürnberg. mittlerweile konnte sie zahlreiche kunst-am-bau projekte realisieren, hat im ausland ausgestellt und ist demnächst auch im museum für konkrete kunst in ingolstadt und in der renommierten galerie hoffmann in friedberg mit ausstellungen vertreten.

gisela hoffmann hat die linie für sich entdeckt. eine linie die, nach dem prinzip von schuss und kette aus vielen linien besteht, somit gleichzeitig zur fläche wird und folglich raum erzeugt. das material, für das sich gisela hoffmann bewusst entschieden hat, ist ein zeitgemäßes, hochtechnologisches industrie-gewebe. innovativer kunststoff des 21. jahrhunderts. ihre aufs wesentliche reduzierten raumlinien, wandarbeiten und installationen befinden sich stets in einer art kontinuierlichem schwebeszustand: einer fragilen balance aus spannung und ruhe, aus stillstand und leiser bewegung, auch optischer bewegung, die durch interferenzen aufgrund der materialstruktur entsteht, dadurch immer wieder neue perspektiven ermöglichen, die uns rezipienten in bewegung versetzen. subtile, intensive, nachhaltige energie verbunden mit poetischer leichtigkeit wird freigesetzt.

in der auseinandersetzung mit dem realen raum entwickelt und erobert sie neue räume, spannungsräume, sensible farbräume, intelligente denkräume, räume zwischen innen und außen, räume "dazwischen" sogenannte "metaspaces" wie prof. eugen gomringer diese im katalog von gisela hoffmann (3) bezeichnet. stets sind sie transparent, lichtdurchflutet und durchlässig. der ort an dem freiheit möglich ist, an dem der austausch zwischen innen und außen, zwischen welt und individuum, zwischen kultur, architektur und natur im einklang ist. somit überwindet sie formal wie inhaltlich traditionelle, konstruktive prinzipien und schafft freiräume ästhetisch, aber auch im übertragenen sinn. darauf verweisen nicht zuletzt auch ihre wortarbeiten und -installationen. diese freiräume gilt es nun von uns zu entdecken um es mit den worten von joseph beuys zu sagen: "um die grenzen des erkennens immer weiter auszudehnen".

eva schickler m.a.

eröffnungsrede 26.02.2006

(1) vgl. eva schickler in "zeichnung", katalog zur ausstellung der klasse hörl im stadtmuseum groß-gerau 2003

(2) dr. gisela fiedler-bender in "ludwig-wilding - retrospektive 1949-1987" kaiserslautern 1987

(3) eugen gomringer in "gisela hoffmann raumdefinitionen", künstlerhaus nürnberg 2000

dr. simone kraft - interview
eva schickler m.a. - rede
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